Minecraft Server erstellen: Anleitung für Linux mit Paper, Java 21, systemd und offenem Port

So erstellst du einen eigenen Minecraft Server auf einem Linux-vServer: von Java und Paper über EULA und Firewall bis zum automatischen Start und typischen Fehlern.

Um einen Minecraft Server zu erstellen, brauchst du einen Linux-Server mit Java 21, die Serversoftware (am besten Paper), eine akzeptierte EULA und einen offenen Port 25565/TCP. Danach richtest du einen systemd-Dienst ein, damit der Server auch ohne offenes Terminal läuft und nach einem Neustart von selbst wieder hochfährt. Die ganze Einrichtung dauert mit dieser Anleitung etwa eine halbe Stunde.

Diese Anleitung bezieht sich auf die Java Edition und einen eigenen vServer oder Rootserver mit Ubuntu oder Debian. Wenn du dich gar nicht um das Betriebssystem kümmern willst, findest du am Ende eine kürzere Alternative.

Was brauchst du, um einen Minecraft Server zu erstellen?

Die Liste ist kürzer, als viele denken:

  • Einen Linux-Server mit Root-Zugriff per SSH. Ein LXC-Container reicht völlig, Minecraft braucht keinen eigenen Kernel.
  • Eine aktuelle Distribution, in deren Paketquellen Java 21 enthalten ist, etwa Ubuntu 24.04 LTS.
  • Genug Arbeitsspeicher für Spielerzahl, Plugins und Weltgröße. Wie viel das konkret ist, steht im Beitrag wie viel RAM ein Minecraft Server wirklich braucht.
  • Einen Minecraft-Account, damit du dich am Ende selbst verbinden kannst.

Die Java-Version ist der häufigste Stolperstein. Seit Minecraft 1.20.5 läuft der Server nur noch mit Java 21 oder neuer. Ältere Distributionen bringen oft nur Java 17 mit, und dann startet der Server gar nicht erst.

Vanilla, Paper oder Fabric: Welche Serversoftware?

Für die meisten privaten Server ist Paper die beste Wahl. Paper basiert auf dem offiziellen Server, ist aber deutlich sparsamer bei CPU und RAM und unterstützt Bukkit- und Spigot-Plugins wie EssentialsX, LuckPerms oder WorldGuard.

Vanilla lohnt sich, wenn du exakt das Originalverhalten willst, etwa für technische Redstone-Farmen, die auf bestimmte Eigenheiten angewiesen sind. Fabric oder NeoForge brauchst du nur, wenn ihr Mods spielen wollt, die auch auf der Clientseite installiert werden müssen. Die Einrichtung unten funktioniert bei allen dreien gleich, nur die JAR-Datei ist eine andere.

Minecraft Server erstellen: Schritt für Schritt

Alle Befehle führst du als root oder mit sudo aus. Verbinde dich zuerst per SSH mit deinem Server.

  1. System aktualisieren und Java installieren.

    apt update && apt upgrade -y
    apt install -y openjdk-21-jre-headless
    java -version

    Die Ausgabe muss mit openjdk version "21 beginnen. Steht dort 17 oder älter, ist die Distribution zu alt.

  2. Eigenen Benutzer anlegen. Der Server sollte nie als root laufen. Wird ein Plugin ausgenutzt, hat der Angreifer sonst gleich den ganzen Server.

    useradd -r -m -d /opt/minecraft -s /bin/bash minecraft
    su - minecraft
  3. Paper herunterladen. Den aktuellen Download-Link für deine Minecraft-Version findest du auf der Download-Seite von PaperMC (papermc.io). Kopiere ihn und lade die Datei direkt auf den Server:

    cd /opt/minecraft
    wget -O paper.jar "HIER-DEN-DOWNLOADLINK-EINFUEGEN"
  4. Erster Start und EULA. Beim ersten Start legt der Server seine Dateien an und beendet sich sofort wieder, weil die EULA noch nicht akzeptiert ist.

    java -Xms2G -Xmx2G -jar paper.jar --nogui
    sed -i 's/eula=false/eula=true/' eula.txt

    Mit eula=true bestätigst du die Endbenutzer-Lizenzvereinbarung von Mojang. Lies sie einmal, bevor du das tust.

  5. Zweiter Start und Operator-Rechte. Starte den Server erneut mit demselben Befehl. Sobald im Log Done erscheint, gibst du dir selbst Adminrechte und beendest den Server sauber:

    op DeinSpielername
    stop
  6. server.properties anpassen. Die wichtigsten Zeilen für den Anfang:

    motd=Unser Server
    max-players=10
    view-distance=8
    simulation-distance=6
    online-mode=true
    white-list=true
    enforce-whitelist=true

    Lass online-mode auf true. Damit prüft der Server, ob Spieler wirklich den Account besitzen, mit dem sie sich anmelden. Die Whitelist sorgt dafür, dass nur eingeladene Leute joinen. Freunde trägst du später mit whitelist add Name ein.

  7. Port 25565 freigeben. Gib den Port als TCP frei, entweder in der Firewall deines Hosters oder direkt auf dem Server. Wie das im Panel geht und worauf du achten musst, erklärt die Hilfeseite zu Traffic, Firewall und rDNS deines Servers. Wenn du ufw nutzt, gib zuerst SSH frei, sonst sperrst du dich aus:

    ufw allow 22/tcp
    ufw allow 25565/tcp
    ufw enable
  8. Als Dienst einrichten. Wechsle mit exit zurück zu root und lege die Datei /etc/systemd/system/minecraft.service an (Inhalt im nächsten Abschnitt).

  9. Verbinden. Öffne Minecraft, wähle Mehrspieler, Server hinzufügen, und trage die IP-Adresse deines Servers ein. Beim Standardport musst du keinen Port angeben.

Wie läuft der Server dauerhaft, auch wenn ich mich ausloggen?

Viele Anleitungen arbeiten mit screen oder tmux. Das funktioniert, aber nach einem Neustart des Servers musst du alles von Hand wieder starten. Robuster ist ein systemd-Dienst:

[Unit]
Description=Minecraft Server
After=network-online.target
Wants=network-online.target

[Service]
User=minecraft
WorkingDirectory=/opt/minecraft
ExecStart=/usr/bin/java -Xms3G -Xmx3G -jar paper.jar --nogui
Restart=on-failure
RestartSec=10
SuccessExitStatus=0 143

[Install]
WantedBy=multi-user.target

Dann aktivieren und starten:

systemctl daemon-reload
systemctl enable --now minecraft
journalctl -u minecraft -f

Mit systemctl stop minecraft fährt der Server kontrolliert herunter und speichert dabei die Welt. Die Zeile SuccessExitStatus=0 143 sorgt dafür, dass systemd dieses Beenden nicht als Fehler wertet.

Zum Wert hinter -Xmx: Setze ihn so, dass für das Betriebssystem noch Luft bleibt. Hast du 4 GB im Paket, sind 3 GB für Java ein vernünftiger Startpunkt. Gibst du Java den kompletten Speicher, greift im Ernstfall der OOM-Killer des Systems ein und beendet den Prozess hart, ohne zu speichern.

Brauchst du später eine Konsole, ohne den Dienst anzuhalten, kannst du in der server.properties enable-rcon=true mit einem langen rcon.password setzen und dich lokal mit einem RCON-Client verbinden. Den RCON-Port 25575 gibst du dabei nicht nach außen frei.

Warum kann sich niemand verbinden? Die typischen Fehler

Die meisten Probleme lassen sich an der Fehlermeldung eindeutig erkennen. Bevor du an der Firewall drehst, schau ins Log: Fast jeder Fehler beim Erstellen eines Minecraft Servers steht dort im Klartext.

UnsupportedClassVersionError beim Start

Java ist zu alt. Prüfe mit java -version und installiere Java 21. Sind mehrere Versionen installiert, trägst du im Service den vollen Pfad zur richtigen Java-Binary ein.

Failed to bind to port

Der Port ist schon belegt, meist weil noch eine zweite Instanz läuft, zum Beispiel eine vergessene in screen und eine als Dienst. ss -tlnp | grep 25565 zeigt dir, welcher Prozess den Port hält.

Connection refused oder Timeout im Client

Läuft der Server laut Log mit Done, liegt es fast immer an der Freigabe. Prüfe, ob der Port in der Panel-Firewall und gegebenenfalls in ufw offen ist, und ob du wirklich TCP freigegeben hast. Ein Timeout deutet eher auf eine blockierende Firewall hin, ein sofortiges Refused eher darauf, dass auf dem Port gar nichts lauscht.

You are not white-listed on this server

Die Whitelist ist aktiv und der Spieler fehlt. Trag ihn mit whitelist add Name ein. Achte auf die exakte Schreibweise des Accountnamens.

Server ruckelt, TPS fallen ab

Mehr RAM hilft hier selten. Typische Ursachen sind eine zu hohe view-distance, riesige Mobfarmen oder Spieler, die ständig neue Chunks erkunden. Die Welt vorab zu generieren, zum Beispiel mit dem Plugin Chunky, entlastet den laufenden Betrieb spürbar.

Wie sicherst du Welt und Updates ab?

Eine Welt, in die deine Freunde wochenlang Zeit gesteckt haben, verdient mehr als ein Backup pro Quartal. Zwei Ebenen haben sich bewährt:

  • Snapshot des ganzen Servers über das Panel deines Hosters, vor allem vor Updates oder neuen Plugins.
  • Regelmäßige Kopie der Welt auf dem Server selbst, damit du einzelne Stände schnell zurückholen kannst.

Ein einfaches Welt-Backup ohne Zusatzwerkzeuge:

systemctl stop minecraft
tar -czf /opt/minecraft-backup-$(date +%F).tar.gz -C /opt/minecraft world world_nether world_the_end
systemctl start minecraft

Bei Paper liegen Nether und End in eigenen Ordnern, deshalb stehen hier drei Verzeichnisse. Beim Vanilla-Server steckt alles im Ordner world.

Für Updates lädst du die neue paper.jar herunter, stoppst den Dienst, ersetzt die Datei und startest neu. Springe bei großen Versionssprüngen erst nach einem Backup und erst dann, wenn deine wichtigen Plugins die neue Version unterstützen.

Eigene Adresse statt IP und Crossplay mit Bedrock

Eine IP-Adresse merkt sich niemand gern. Mit einer eigenen Domain und einem A-Record, optional einem SRV-Eintrag für abweichende Ports, joinen deine Freunde über einen Namen. Wie das sauber klappt, steht in der Anleitung Minecraft Server mit eigener Domain verbinden.

Spielen einige von euch auf Konsole oder Handy, also mit der Bedrock Edition, kannst du dem Paper-Server das Plugin Geyser hinzufügen. Bedrock-Spieler verbinden sich dann über Port 19132, und zwar per UDP. Diesen Port musst du zusätzlich freigeben.

Eigener vServer oder fertiger Gameserver?

Der Weg über einen eigenen Linux-Server gibt dir volle Kontrolle: eigene Skripte, eigene Backups, mehrere Dienste auf einer Maschine, etwa Minecraft und ein Discord-Bot nebeneinander. Dafür bist du auch für Updates des Systems und die Absicherung zuständig.

Ein gemieteter Gameserver nimmt dir das Betriebssystem ab. Du wählst das Spiel, startest den Server und verwaltest Konsole und Dateien im Webinterface. Für eine Freundesrunde, die einfach spielen will, ist das oft der entspanntere Weg.

Bei Hostleaf gibt es beide Varianten: vServer als LXC-Container für die Einrichtung nach dieser Anleitung und Gameserver mit Konsole, Dateimanager und Port-Übersicht im Panel. Die Server stehen in Rechenzentren in Deutschland und den Niederlanden, DDoS-Schutz ist standardmäßig aktiv. Welche Variante passt, hängt vor allem davon ab, wie viel du selbst administrieren möchtest.

FAQ

Kann ich einen Minecraft Server kostenlos erstellen?

Die Serversoftware selbst ist kostenlos, du kannst sie auch auf deinem eigenen PC betreiben. Dann läuft der Server aber nur, solange der PC an ist, und du musst im Router eine Portweiterleitung einrichten. Für eine Welt, die rund um die Uhr erreichbar sein soll, ist ein gemieteter Server praktischer.

Wie viele Spieler schafft ein eigener Minecraft Server?

Das hängt weniger an einer festen Zahl als an Plugins, Weltgröße, Sichtweite und Spielverhalten. Ein Paper-Server mit reduzierter view-distance kommt mit derselben Hardware deutlich weiter als Vanilla. Beobachte die TPS, sie sollten bei 20 liegen. Fallen sie dauerhaft, ist der Server am Limit.

Läuft der Server weiter, wenn ich SSH schließe?

Ja, wenn du ihn wie oben beschrieben als systemd-Dienst eingerichtet hast. Startest du ihn nur im normalen Terminal, endet der Prozess mit der SSH-Sitzung. Der Dienst startet zusätzlich nach einem Neustart des Servers automatisch.

Funktioniert der Server auch für Bedrock-Spieler?

Ein Java-Server ist für Bedrock-Clients nicht direkt erreichbar. Mit dem Plugin Geyser auf einem Paper-Server können Bedrock-Spieler trotzdem mitspielen. Alternativ gibt es eine eigene Bedrock-Serversoftware, dann aber ohne Java-Spieler.

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